Wiesensee: Rundweg zwischen Segelhafen und Seebachtal
In Pottum stehen die Masten des Segelhafens über dem Ufer. Auf der anderen Seite, am Winner Ufer, beginnt die klassische Runde am Holzhaus der Tourist-Information. Im Süden führen die Wege über den Seebach und zwischen den Bahnen des Golfplatzes hindurch. Der Wiesensee zeigt auf 6,5 Kilometern mehr als eine Kulisse.
Die Runde heißt offiziell „Kleiner Wäller Wiesensee“. Mit rund 32 Höhenmetern bleibt sie im Spaziergangsformat; ungefähr zwei Stunden sind dafür realistisch. Wer länger unterwegs ist, hat vermutlich eine der Bänke, die Liegewiese oder den Segelhafen für sich entdeckt. Die rot-weiße Markierung führt einmal um den See.
Hinweis: Der Wiesensee führt aktuell kein Wasser. Wegen laufender Sanierungsarbeiten ist der Wiesensee abgelassen und folglich leer. Im trockenen Becken des Wiesensee laufen Arbeiten an den Sedimenten und an der Stauanlage. Die Verbandsgemeinde Westerburg plant den Wiederanstau ab 2027. Stand 26. August 2026
Vom Winner Ufer nach Pottum
Der Parkplatz am Winner Ufer ist ein praktischer Anfang. Direkt daneben sitzt die Tourist-Information WällerLand, in der Region kurz „TiWi“ genannt. Dort gibt es Kartenmaterial und eine öffentliche Toilette. Für Wanderer ist der Ort zugleich ein kleiner Knotenpunkt: Auch der Westerwald-Steig lässt sich von hier erreichen.
Wer im Uhrzeigersinn läuft, geht zunächst über den Damm. Stahlhofen bleibt oberhalb des Weges noch eine Weile präsent. Häuser, Gärten und Straße gehören auf diesem Stück ebenso zum Bild wie der See. Unterwegs stehen nicht bloß gewöhnliche Parkbänke. Die Wegbeschreibung des WällerLandes nennt Baumelbänke und Vesperstationen – kleine Details, die zu einer Runde passen, bei der Pausen ausdrücklich mitgedacht wurden.

Vor Pottum gibt es sogar eine kleine Wahlmöglichkeit. An einer Gabelung führt ein Naturweg durch die Bäume und über den Hüttenbach; eine befestigte Alternative trifft später wieder auf die Rundstrecke. Das ist unspektakulär, aber charakteristisch für den Weg: Er läuft eben nicht sechs Kilometer lang auf derselben Uferkante entlang.
Pottum kann ebenso Ausgangspunkt sein. Wer dort startet, hat den Segelhafen gleich zu Beginn vor Augen und erspart sich die Vorstellung, eine Wiesensee-Runde müsse zwingend am Winner Ufer anfangen. Parkmöglichkeiten und ein Einstieg in den „Kleinen Wäller“ sind auch auf dieser Seite vorhanden.
Pottum gibt dem See seine Masten
Der Segelhafen ist mehr als Staffage für Wanderfotos. Er wurde 1986/87 zusammen mit einer Uferpromenade vor Pottum angelegt. Zuvor hatte sich der Segelsport auf einen längeren Uferabschnitt bis zum Palzhahn verteilt. Mit dem Hafen bekam er einen festen Platz.
Ein Stück weiter liegt die Liegewiese am Palzhahn. Sie gehört seit den 1970er-Jahren zur Freizeitgeschichte des Wiesensees und ist bis heute ein markanter Punkt auf der Pottumer Seite. Die aktuelle Wanderbeschreibung führt dort auch an einem Kiosk vorbei. Wer seine Runde nicht in einem Zug laufen will, findet hier einen naheliegenden Zwischenhalt.
Danach wird die Strecke offener. Der Weg quert den Seebach über eine Brücke und steigt leicht an. Wenig später tauchen auf beiden Seiten Golfbahnen auf. Der Golf Club Wiesensee betreibt hier einen 18-Loch-Platz auf dem für den Westerwald typischen hügeligen Gelände; alter Baumbestand und natürliche Geländestrukturen gehören zum Platzbild.
An dieser Stelle lohnt ein genauerer Blick auf die Wegbeschreibung. Die offiziellen Tourismusseiten führen die Runde als befestigt, meist asphaltiert und barrierefrei. Für den Bereich am Golfplatz ist diese pauschale Aussage nach örtlicher Kenntnis zu großzügig. Dort kann der Weg nach längerem oder kräftigem Regen verschlammen; für Rollstuhlnutzer ist die Passage nicht durchgehend geeignet.
Auch mit Kinderwagen entscheidet dort der Untergrund stärker als auf den befestigten Abschnitten am Winner Ufer oder bei Pottum. Wer auf verlässlich feste Wege angewiesen ist, fährt besser keine vollständige Runde auf Verdacht. Kürzere Strecken sind am Wiesensee problemlos möglich, ohne dass daraus ein halber Ausflug wird.
Am Seebachtal wird es ruhiger
Südlich und südöstlich des Sees verschiebt sich der Schwerpunkt. Rund 46 Hektar der Uferzone gehören zum FFH- und Naturschutzgebiet Seebachtal. Die Verbandsgemeinde Westerburg beschreibt den Wiesensee außerdem als wichtigen Brut- und Rastplatz für Vögel auf dem europäischen Vogelzug.
Das fällt auf einer Umrundung schon deshalb ins Gewicht, weil Segelhafen, Liegewiese und Golfplatz nur wenige Wegminuten entfernt liegen. Am Seebachtal gelten andere Regeln. Die geschützten Wiesen und Uferbereiche sollten in Ruhe gelassen werden; für Hunde endet der Spazierweg ebenfalls an der Wegkante.
Für einen klassischen Badetag ist der Wiesensee nicht vorgesehen. Die Verbandsgemeinde nennt Wandern, Naherholung, Segeln und andere Wassersportarten als touristische Nutzungen und bezeichnet den Wiesensee ausdrücklich nicht als Badesee.
Die touristische Prägung des Gebietes ist übrigens kein später Nebeneffekt. Eine Wasserfläche zwischen Stahlhofen und Pottum ist bereits für 1270 überliefert; bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war sie verlandet. Pottum, Stahlhofen am Wiesensee und Winnen schufen später den Wiesensee neu und stauten ihn Ende 1971 erstmals an. Die Förderung des Fremdenverkehrs war dabei von Beginn an Teil der Planung.
Viel mehr Geschichte braucht eine Wiesensee-Runde nicht. Interessanter ist, was aus dieser Planung im Gelände geworden ist. Der Segelhafen bekam seinen Platz, der Golfplatz kam hinzu, Camping entwickelte sich am See, am Winner Ufer entstand mit der „TiWi“ ein fester Anlaufpunkt. Gleichzeitig blieben Wiesen, Ortsränder und das Seebachtal Teil des Weges.
Wer nur zwei Stunden Zeit hat, bleibt beim „Kleinen Wäller“. Wer weitergehen will, findet am Wiesensee Anschlüsse an längere Wanderwege durch das WällerLand und an den Westerwald-Steig. Und wer nach drei oder vier Kilometern genug hat, dreht eben um. Bei einem See mit mehreren brauchbaren Einstiegen ist das kein Planungsfehler.
