Erneute Mäharbeiten am Wiesensee: 2027 wird zum Prüfjahr
Am trockenen Wiesensee laufen weitere Vorarbeiten für die geplante Wiederbewässerung. Schwere Mähmaschinen beseitigen derzeit den dichten Aufwuchs im Seebett. Zwischen Lärm, Staub und freigelegten Flächen wurden mehrere Störche beobachtet, die sich auffällig nah an den Maschinen aufhielten.

Die Szene wirkt dramatisch, dürfte aber vor allem einen einfachen Grund haben: Die Arbeiten scheuchen Kleintiere auf. Für Störche sind frisch gemähte oder aufgewühlte Flächen attraktiv, weil sie dort leichter Nahrung finden. Ein Hinweis auf Brutpflege ist dieses Verhalten für sich genommen nicht. Anders wäre die Lage, wenn konkrete Nester, Jungtiere oder Bodenbrüter im direkten Arbeitsbereich betroffen wären. Dann wären die zuständigen Naturschutzbehörden gefragt.
Seit gut drei Jahren liegt der Wiesensee ohne Wasser da. Nun soll das zugewachsene Seebett vorbereitet werden, bevor Spezialmaschinen den Schlamm innerhalb der Seefläche verlagern. Genannt werden rund 190.000 Kubikmeter Sediment, die nicht abgefahren, sondern im See neu verteilt werden sollen. So soll der Wiesensee wieder unterschiedliche Tiefenzonen bekommen: an einzelnen Stellen bis zu zweieinhalb Meter, an anderen deutlich weniger.

Millionenprojekt mit langer Vorgeschichte
Für Mäharbeiten und Sedimentverlagerung werden Kosten von rund 3,9 Millionen Euro genannt. Etwa 1,6 Millionen Euro sollen aus dem Regionalen Zukunftsprogramm Rheinland-Pfalz kommen. Die übrigen rund 2,3 Millionen Euro müsste die Verbandsgemeinde Westerburg tragen.
Die Kostenfrage ist nicht neu. Das Westerwaldblatt hatte bereits die Ausgaben einer früheren Mahd am trockenen Wiesensee aufgegriffen. Auch deshalb lohnt jetzt der genaue Blick darauf, welche Arbeiten tatsächlich nötig sind, welche Auflagen sie auslösen und welche Folgekosten nach der Wiederbewässerung bleiben. Ein See, der jahrelang trockenliegt, wird nicht mit einem einzigen Arbeitsschritt wieder zu einem funktionierenden Gewässer.
Nach den aktuellen Vorarbeiten soll die Sedimentverlagerung folgen. Die Alternative, den Schlamm komplett abzufahren, wäre deutlich aufwendiger gewesen. Genannt wurden rund 10.500 Lkw-Fahrten, die nötig gewesen wären, wenn das Material aus dem See herausgebracht worden wäre. Die Verlagerung im See spart Transport, wirft aber eigene Fragen auf: Wie dauerhaft bleibt die neue Modellierung? Wie stabil sind die flachen und tiefen Zonen? Und wie entwickelt sich später die Wasserqualität?

Auch politisch steht der See unter Beobachtung
Der Zeitplan hat auch eine politische Seite: 2027 endet regulär die laufende Amtszeit des Verbandsgemeindebürgermeisters. Ob die Arbeiten am Wiesensee bis dahin sichtbar vorankommen, dürfte deshalb nicht nur für Tourismus und Anwohner von Bedeutung sein.
Das heißt nicht, dass jeder Bagger im Seebett Wahlkampf ist. Aber der Wiesensee ist in der Verbandsgemeinde Westerburg mehr als ein Freizeitgewässer. Er steht für jahrelange Verzögerungen, Genehmigungsfragen, Kostenentscheidungen und die Frage, wie verlässlich kommunale Großprojekte gesteuert werden.
Geplant ist außerdem ein schwer zugänglicher Bereich mit stärkerem Naturschutzcharakter. Dort sollen sich Tiere und Vögel wieder ansiedeln können. Auch ein späterer Fischbesatz wurde ins Gespräch gebracht, unter anderem mit Raubfischen wie Hechten. Für die ökologische Entwicklung des Sees wird aber nicht nur der Wasserstand wichtig sein. Entscheidend bleiben Nährstoffeinträge, Wasserqualität, Pflanzenwuchs und Fischbestand.
Wetter bleibt Risiko
Läuft es nach Plan, soll der Wiesensee im Jahr 2027 wieder Wasser tragen. Der Zeitplan bleibt jedoch wetterabhängig. Regenfälle können die Arbeiten im Seebett erschweren oder unterbrechen, weil schwere Maschinen auf nassem Untergrund nur eingeschränkt fahren können.
Bis dahin bleibt der trockene See ein Baustellenraum mit ökologischen Nebenwirkungen. Wo Maschinen Gras, Büsche und jungen Aufwuchs beseitigen, verlieren Rehe und andere Tiere Deckung. Für Störche entsteht kurzfristig ein gedeckter Tisch. Für die öffentliche Bewertung reicht der Blick auf die Tiere allein aber nicht aus. Am Ende wird zählen, ob Kosten, Auflagen, Wasserqualität und Zeitplan zusammenpassen.
