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Ahrtal-Lehren treffen in Guckheim auf offene Baustellen

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal fordert die Bundesingenieurkammer bessere Daten, schnellere Entscheidungen und mehr technischen Sachverstand in Verwaltungen. In Guckheim ist diese Forderung keine abstrakte Debatte: Die Unterlagen zum Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept zeigen mehrere offene Punkte am Elbbach, an Brücken, Gräben und Bachläufen.

Rech im Ahrtal: Die historische Nepomukbrücke gehört zu den bekanntesten Bauwerken der Gemeinde. Nach der Flutkatastrophe wurden die Uferbereiche neu gestaltet und der Hochwasserschutz verbessert. Foto: westerwaldblatt.com
Rech im Ahrtal: Die historische Nepomukbrücke gehört zu den bekanntesten Bauwerken der Gemeinde. Nach der Flutkatastrophe wurden die Uferbereiche neu gestaltet und der Hochwasserschutz verbessert. Foto: westerwaldblatt.com

Am 11. Oktober 2023 saßen in Guckheim Bürger, Gemeinderatsmitglieder, Verbandsgemeinde und Ingenieurbüro zusammen. Es ging um Hochwasser, Starkregen und die Frage, wo der Ort verwundbar ist. Genau an dieser Stelle wird die bundesweite Mahnung der Bundesingenieurkammer konkret. Wer resiliente Infrastruktur will, braucht belastbare Bestandsdaten, klare Zuständigkeiten und regelmäßige Unterhaltung. In Guckheim tauchen in den Unterlagen aber gerade dort die offenen Fragen auf.

In Guckheim ist der Elbbach über die Ufer getreten. Wasser steht auf Wegen und angrenzenden Flächen. Foto: guckheim.com
In Guckheim ist der Elbbach über die Ufer getreten. Wasser steht auf Wegen und angrenzenden Flächen. Foto: guckheim.com

Bei der Brücke am Ortseingang berichteten Bürger, der frühere Umbau oder Neubau habe den Fließquerschnitt eingeengt. Dadurch habe sich die Hochwassersituation oberhalb verschärft. Als mögliche Maßnahmen wurden ein Bypass durch die Brücke und eine Treibgutsperre vor der Ortslage genannt. Das klingt technisch handhabbar, ist aber kein kleiner Eingriff: Wasser, das schneller oder anders abfließt, darf in den flußabwärts liegenden Ortschaften keine neue Risiken schaffen.

Noch deutlicher wird das Problem beim Elbbach. Für ihn gibt es nach dem Protokoll kein hydrologisch-hydraulisches Modell und keine ausgewiesenen Überschwemmungsflächen. Empfohlen wurde deshalb ein Modell für das gesamte obere Elbbachsystem im Gebiet der Verbandsgemeinde. Genau hier liegt die Verbindung zur Forderung der Bundesingenieurkammer nach digitalen Bauwerks- und Infrastrukturdaten. Ohne ein solches Modell bleibt vieles Erfahrungswissen: wertvoll, aber im Ernstfall schwer belastbar.

Auch die Unterhaltung der Gewässer wirkt in den Unterlagen nicht wie ein durchgeplanter Regelbetrieb. Für Gräben an den Straßen Am Wassergraben und Börncher wurde festgehalten, dass sie regelmäßig durch die Ortsgemeinde unterhalten werden. Zugleich wurde ein Unterhaltungsplan mit Zyklus und Verantwortlichkeit angeregt. Bei einer Brücke flussabwärts nahe dem Naturschutzgebiet heißt es, sie werde nicht oder nur sporadisch freigeschnitten; Verklausungen hätten bereits Rückstau bis an die Bebauung in Guckheim verursacht. In der Diskussion wurde zudem der Wunsch nach einem übergreifenden Unterhaltungskonzept für alle Bäche formuliert. Besonders kritisch: Die Bäche würden nur unterhalten, wenn sich die Ortsgemeinde an die Verbandsgemeinde wende; die Reaktionszeit der Verbandsgemeinde sei teilweise zu langsam.

Überflutete Wiesen am Elbbach in Guckheim: Nach Regen und Tauwetter hat sich das Wasser weit ausgebreitet. Foto: guckheim.com
Überflutete Wiesen am Elbbach in Guckheim: Nach Regen und Tauwetter hat sich das Wasser weit ausgebreitet. Foto: guckheim.com

Das ist kein Vorwurf an Einzelne. Es ist ein Hinweis auf ein Strukturproblem. Hochwasservorsorge darf nicht davon abhängen, ob ein Hinweis rechtzeitig durchgereicht, eine Zuständigkeit geklärt oder eine Maßnahme einzeln angemahnt wird. Die Bundesingenieurkammer fordert handlungsfähige Verwaltungen und rechtssichere Entscheidungswege. Guckheim zeigt, warum: Bei Starkregen oder Schneeschmelze ist die Vorwarnzeit kurz, der Elbbach reagiert schnell, und eine verstopfte oder schlecht unterhaltene Engstelle kann dann zur praktischen Schwachstelle werden.

Dazu kommt ein zweiter Punkt: Das örtliche Vorsorgekonzept selbst ist keine konkrete technische Planung. In der Präsentation wurde ausdrücklich abgegrenzt, dass es keine Abflussmodellierung, keine technischen Zeichnungen und keine Maßnahmen der Stadtentwässerung umfasst. Das Konzept kann also Risiken sammeln und Maßnahmen vorschlagen. Es ersetzt aber nicht die detaillierte Planung, Finanzierung, Genehmigung und spätere Unterhaltung.

Der Elbbach hat in Guckheim angrenzende Grundstücke und Grünflächen überschwemmt. Das Wasser reicht bis an Gartenhäuser und Bäume heran. Foto: guckheim.com
Der Elbbach hat in Guckheim angrenzende Grundstücke und Grünflächen überschwemmt. Das Wasser reicht bis an Gartenhäuser und Bäume heran. Foto: guckheim.com

Für Guckheim heißt das: Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt nach der Konzeptphase. Ein Bypass an der Brücke, eine Treibgutsperre, eine Untersuchung des Mühlgrabens, ein Modell für den Elbbach, eine geordnete Unterhaltung der Gräben und Brücken — all das sind keine Schlagworte, sondern Aufgaben mit Bauherren, Kosten, Zuständigkeiten und Fristen. Solange diese Punkte nicht öffentlich nachvollziehbar abgearbeitet sind, bleibt die Lehre aus dem Ahrtal im Ort unvollständig übersetzt.

Ob aus den Forderungen der Bundesingenieurkammer verbindliche Vorgaben, zusätzliche Stellen oder bessere digitale Datenbestände entstehen, ist offen. Für Orte wie Guckheim ist das keine abstrakte Verwaltungsfrage: Wenn der Elbbach wieder über die Ufer tritt, zählt nicht der Aktenstand, sondern ob Daten, Zuständigkeiten und Entscheidungen verfügbar sind. Oder zugespitzt gefragt: Hält sich das nächste Guckheimer Hochwasser an den langsamen Zeitplan der Verbandsgemeinde- und Ortsgemeindeverwaltung?

Weitere Hinweise: Guckheim Protokoll 11.10.2023, 11.10.2023 Guckheim Präsentation

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