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Wiesensee wächst wieder zu: 360.000 Euro und neue Fragen

Aktuelle Fotos vom Wiesensee, aufgenommen Ende Juni 2026, zeigen eine stark bewachsene Fläche, dort wo früher Wasser stand. Das passt nur dann zur teuren Mähaktion der Verbandsgemeinde Westerburg, wenn man sie nicht als Abschluss, sondern als Zwischenmaßnahme versteht.

Ende Juni wirkt der Wiesensee eher wie eine trockene Wiese als wie ein leerer See. Im Vordergrund steht dichtes Grün, dahinter liegen Pottum, darüber drehen sich Windräder. Wer die Mähaktion für rund 360.000 Euro noch im Kopf hat, stellt naheliegend dieselbe Frage: Was wurde dort eigentlich freigeschnitten, wenn es wenige Monate später wieder grün ist?

Ein aktuelles Foto zeigt den trockenliegenden Wiesensee wieder grün. Was das für die 360.000-Euro-Mäharbeiten der VG Westerburg bedeutet.
Ein aktuelles Foto zeigt den trockenliegenden Wiesensee wieder grün. Was bedeutet das für die 360.000-Euro-Mäharbeiten der VG Westerburg?

Die Antwort ist unbequem, aber nicht ganz so einfach wie „Geld weg, Wirkung weg“. Die Mäharbeiten sollten den trockenliegenden Seegrund von Bäumen, Büschen und Pflanzenmasse befreien. Nach SWR-Angaben wurden mehr als 460 Tonnen Material entfernt. Die Kosten wurden mit rund 360.000 Euro angegeben, davon etwa 280.000 Euro für die Spezialfirma und rund 80.000 Euro für Entsorgung. Begründet wurde die Maßnahme damit, dass die Pflanzen vor einem späteren Wiederanstau entfernt werden müssten, auch wegen des ohnehin hohen Phosphateintrags.

Das aktuelle Foto zeigt allerdings, dass diese Arbeit kein dauerhafter Zustand sein konnte. Solange der See trockenliegt, bleibt der Boden ein Wachstumsraum. Mähen entfernt Aufwuchs, beseitigt aber nicht automatisch Wurzeln, Samen, Nährstoffe und Feuchtigkeit. Dass der Wiesensee wieder grün wird, widerspricht der Mähaktion also nicht biologisch. Politisch und finanziell verschärft es aber die Frage, ob Zeitpunkt, Folgekosten und Pflegebedarf ausreichend offen erklärt wurden.

Die Mähaktion am Wiesensee sollte Pflanzenmasse entfernen. Der erneute Bewuchs wirft Fragen zu Zeitplan, Folgekosten und Transparenz auf.
Die Mähaktion am Wiesensee sollte Pflanzenmasse entfernen. Der erneute Bewuchs wirft Fragen zu Zeitplan, Folgekosten und Transparenz auf.

Der entscheidende Punkt ist der Zeitplan. Der Wiesensee ist kein Natursee, sondern ein künstlich angelegtes Hochwasserrückhaltebecken, das von Beginn an auch als touristisches Angebot gedacht war. Die SGD Nord ordnete das Ablassen an, weil ein sicherer Betrieb der Stauanlage nicht mehr gewährleistet war. Ein Wiederanstau kommt erst infrage, wenn die technischen Nachweise und Baumaßnahmen abgeschlossen sind. Im August 2025 nannten Land und SGD Nord als weiteren Schritt die Umlagerung von rund 300.000 Kubikmetern Sediment innerhalb der Seefläche. Die eigentliche Schlammumlagerung ist für 2026 vorgesehen, ein Wiederanstau wurde als Möglichkeit für Frühjahr 2027 genannt.

Damit wird die Mähaktion nachträglich zu einer Maßnahme auf Zeit. Sie hat Bewuchs und Biomasse entfernt, aber nicht den Zustand eines wieder befüllbaren Sees hergestellt. Wenn nun erneut gemäht werden muss, ist das nicht überraschend. Überraschend wäre eher, wenn die Verbandsgemeinde dafür keinen nachvollziehbaren Kosten- und Pflegeplan vorlegen müsste.

Für die Öffentlichkeit bleibt deshalb eine konkrete Frage offen: War die 360.000-Euro-Mahd Teil eines klaren Arbeitsplans bis zum Wiederanstau, oder war sie vor allem eine teure Notmaßnahme gegen einen Bewuchs, der wegen der langen Trockenlegung absehbar zurückkehrt? Das Foto vom grünen Wiesensee beweist kein Scheitern. Es zeigt aber, dass die Verbandsgemeinde nicht nur erklären muss, was gemäht wurde, sondern wie teuer das Warten auf Wasser noch wird.

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